1. Statement Stand: 15.01.2020

Öffentliche Stellungnahme
Verfasser: Erst-Kenntnis-Gruppe (EKG)
Stand: 15. Januar 2020

Stellungnahme der EKG  vom 15.01. zum Aufklärungsprozess bzgl.

der Straftaten von H. F. während des Monis Rache Festivals 2016 und 2018


In dieser Stellungnahme werden die Tathandlungen des Täters H. F.
wiedergegeben. Möglichst genau versuchen wir als diejenigen Personen, die als erstes Informationen über die Tat erhielten, unser Vorgehen und unsere Beweggründe hierfür zu erläutern. Wir nennen diese Gruppe der als erstes in Kenntnis gesetzten Personen im Folgenden „Erst-Kenntnis-Gruppe“ oder „EKG“.


TRIGGERWARNUNG:

Die folgenden Darstellungen thematisieren mit Beschreibungen des Tatherganges, sexualisierte Gewalt sowie unseren Umgang damit. Dies kann belastend und retraumatisierend wirken.

Die Tat

H. F. (Täter) hat Videos von Menschen auf Dixi-Toiletten im Rahmen des Monis
Rache Festivals erstellt, gesammelt, veröffentlicht und verkauft. Die Videos zeigen weiblich gelesene Personen beim Toiletten-Gang. Sie zeigen ihr Gesicht und ihren Intimbereich aus der Perspektive oberhalb des Klodeckels.
Dieses eindeutig diskriminierende Handeln ist nach § 201b StGB strafbar.
H. F. hat seine Taten laut eigenen Angaben selbst angezeigt. Gegenstand der
Anzeige sind die Veröffentlichung der Videos aus dem Jahr 2016 sowie die Aufnahme von Videomaterial im Jahr 2018.

Betroffen sind nach unseren Informationen und den Aussagen des Täters also
Teilnehmer*innen des Festivals in den Jahren 2016 und 2018. Laut Aussagen des Täters und der Recherche-Ergebnisse von STRG-F wurden ca. 6 von 50 Video-Aufnahmen aus dem Jahr 2016 über die Plattform xhamster.com veröffentlicht und verkauft. Diese Informationen und Aussagen können wir nicht prüfen oder nachweisen.

Sämtliche Datenträger im Besitz von H. F. und durch ihn veröffentlichte Videos wurden von ihm zerstört. Durch ihn veröffentlichte Videos wurden in dem vom Täter geführten online Profilen unter beisein von Teilen der EKG gelöscht. (Details siehe Zeitverlauf)

Wer ist die EKG und warum diese Mitteilung?

Acht Personen der Monis Rache Crew haben im September und Oktober 2019 aus unterschiedlichen Quellen von der Tat erfahren. Vier dieser Personen stehen bzw. standen dem Täter emotional sehr nah. Vier Weitere kennen zwar den Täter, hatten aber seit Kenntnisnahme von der Tat keinen persönlich Kontakt zu ihm.Es besteht der Vorwurf, die EKG hätte nicht angemessen auf die Informationen reagiert, die sie im September bzw. Oktober erhalten hat. Sie hätte so eine frühzeitige Aufklärung, die Mitwirkung von Betroffenen und eine Stellungnahme der Festival-Crew verhindert.
Um die Arbeit von Betroffenen zu unterstützen und eine Aufarbeitung zu ermöglichen, veröffentlichen wir als EKG diese Stellungnahme.

Stellungnahme der EKG

Wir können uns vermutlich nur unzureichend ausmalen oder nachempfinden, wie schrecklich das Gefühl sein muss, tatsächlich oder möglicherweise als Mensch auf solchen Aufnahmen gezeigt zu werden und sich das Handeln des Täters und der Konsumenten seiner Videos vorzustellen. Betroffenen und potentiell Geschädigten gilt daher unser Mitgefühl.
Wir haben als die Erst-Kenntnis-Gruppe den Fehler gemacht, nicht sofort den Großteil unserer Aufmerksamkeit auf die Betroffenen und die von ihnen zu tragenden Konsequenzen gelenkt zu haben. Allerdings möchten wir betonen, dass wir unsere Vorgehensweise dennoch vordergründig als Arbeit für Betroffene und nicht für den Täter verstanden haben. Wie gesagt, es hatten vier Personen direkten Kontakt zum Täter, vor allem um veröffentlichte Videos von potentiell Betroffenen zu löschen und den Täter zu Konsequenzen zu bewegen.
Im Nachhinein mag unser Vorgehen anders zu beurteilen sein. In dem Prozess in dem wir uns befanden waren Entscheidungen für eine Umgangsweise schwieriger als das im Nachhinein aussieht.
Es tut uns leid, dass bis heute so viel Zeit verstrichen ist seitdem uns Informationen über die Taten erreicht haben. Unterschiedlichste Umstände haben dazu geführt und wir möchten versuchen euch diese im Folgenden verständlich zu machen.
Dazu gehören unter anderem :
  • das Bedürfnis die Tat möglichst sicher aufzuklären und den Täter ausfindig zu machen, sodass der Vorfall einer breiten Öffentlichkeit mitgeteilt und Konsequenzen gezogen werden können,
  • der Versuch einen Umgang im Rahmen unseres sozialen Miteinanders und der kollektiven Struktur der Monis Crew zu finden bzw. vorzubereiten,
  • Erschrecken, Überforderung, Enttäuschung, Angst, Betroffenheit,
  • Unwissenheit und Unerfahrenheit im Umgang mit derartigen Taten und Reaktionen darauf
  • Vereinnahmung durch die journalistische Arbeit und Recherche von STRG-F
  • emotionale bzw. soziale Nähe zum Täter und Befangenheit einzelner Personen.
Die Darstellung der Tat und unseres versuchten Umgangs damit möchten wir als diese acht Personen allen Interessierten und Betroffenen anbieten, um

  1. über die Einzelheiten Tat Bescheid zu wissen, 
  2. sich und anderen im Umgang damit unterstützen zu können,
  3. ggf. rechtliche Schritte gegen den Täter einzuleiten,
  4. dadurch nicht gezwungen zu sein, die Reportage von STRG-F anzuschauen
  5. nachvollziehen zu können warum wir wie gehandelt haben und welche Fehler wir gemacht haben.

Heute wirkt unsere Vorgehensweise für viele unsensibel und respektlos. Rückblickend waren wir aufgrund von emotionaler und sozialer Befangenheit nicht in der Lage, die Situation umsichtig zu bewerten und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Wir haben das in der Entwicklung unserer Handlungen nicht erkannt.

Wir haben gehofft, dass durch unsere Arbeit mit dem transformative justice Konzept, die Einbeziehung und ein schnellstmöglicher Schutz der Betroffenen und ein konstruktiver Umgang mit der Tat und dem Thema möglich werden würden. Wir waren überzeugt umsichtig zu handeln und waren uns gleichzeitig konstant unsicher. Die Arbeit mit einem bewährten Konzept hat uns zumindest etwas Orientierung gegeben in einer Situation, die uns grundsätzlich alle überfordert hat. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten wir weitere Personen der Moni Crew und professionelle Hilfe miteinbeziehen sollen.

Wir haben mit unserer Arbeit die Recherche von Patrizia Schlosser und dem Team hinter STRG-F unterstützt und dabei unser Vorgehen und dessen Folgen für Betroffene zu wenig hinterfragt. Anders gesagt: Wir hätten schnellstmöglich für eine Veröffentlichung der Informationen sorgen sollen, damit Betroffene an der Aufarbeitung hätten mitwirken können.

Durch die Ermittlung des Täters und den Kontakt von Einzelpersonen der EKG zum Täter war es möglich, die vom Täter veröffentlichten Videos und geführten Online-Accounts zu löschen. Wir haben angenommen, dass dies die erst- und bestmögliche Schadensbegrenzung im Sinne der Betroffenen sei. Wir haben angenommen, dass die Vorbereitung eines Umgangs mit den Tathandlungen im Rahmen einer kleinen Gruppe konstruktiver sei als eine ungeordnete Veröffentlichung der Informationen, die uns zugespielt wurden.

Wir hoffen, dass mit dieser Mitteilung unsere Vorgehensweise gewissermaßen
nachvollziehbar wird und im weiteren Verlauf ein Dialog und die weitere Unterstützung für Betroffene möglich werden.

Wir möchten uns bei den Betroffenen und auch bei der Monis Rache Crew für die von uns verursachte aktuelle Situation entschuldigen. Unser Handeln hat dazu geführt dass eine öffentliche Aufarbeitung stark verzögert begonnen wurde und Betroffene seitens des Monis Rache Festivals nicht unmittelbar nach Aufdeckung der Taten über diese aufgeklärt und unterstützt wurden. Uns ist bewusst dass der hiermit entstandene Schaden schwer entschuldbar ist und diese schriftliche Form sicherlich so spät nur geringfügig helfen kann.



 
Zeit Ereignisse / Taten Personen
2016 Juli Kamerafund (Täteraussage) auf Dixi beim Monis Rache Festival H. F.
2016
Veröffentlichung, Tausch und Verkauf von Videos über xHamster.com
H. F.
Seit 2017 Recherche STRG-F zu Spannervideos Patrizia Schlosser


Kommunikation mit hfraenklin1 per Chat auf mega.nz und xhamster.com bis hin zu Kauf einzelner Videos und Kenntnis darüber dass die Tat beim Monis Rache Festival stattfand Patrizia Schlosser
2018 Juli Kamerainstallation auf Dixi beim Monis Rache Festival H. F.


Versuch der Enttarnung des Täters beim Monis Rache Festival 2018 Patrizia Schlosser + Mitarbeiter
2019 September Mail von Patrizia Schlosser an info@monisrache.wtf mit Hinweis auf heimliche Videoaufnahmen (kein Hinweis auf Kontext); daraufhin Vorschlag innerhalb einer kleineren Monis Rache Kollektiv Gruppe, die Mail auf der Plattform Mattermost zu veröffentlichen und im nächsten Schritt die Mail auf der kommenden Vollversammlung (VV) vorzustellen. Patrizia Schlosser


14.09. Beschluss der VV eine Antwort zu verfassen. Eine kleinere, mit der heutigen EKG-Gruppe nicht deckungsgleiche Personengruppe erklärt sich dazu bereit sich mit Patritzia zu treffen. Eine Antwortmail wird verfasst und auf Mattermost der gesamten Moni Crew zur Verfügung gestellt. Die Mail wird nicht abgeschickt, Verfasser*innen hatten keinen Zugriff auf Email-Account von Moni.
 Der Täter hatte ebenfalls Zugriff auf Mattermost und somit auch auf das VV Protokoll.
Moni VV


16. bis 22.9. Der Täter gesteht Handlungen ggü. Beziehungspartnerin und zwei Freundinnen (alle Teil der Monis Crew) im privaten Rahmen. Diese stellen sich später als teilweise falsch und verharmlosend heraus. H. F. und 2 Personen der Monis Crew, die dem Täter emotional nahe standen


Der Täter zerstört mit anwaltlicher Beratung die Datenträger auf denen sich die Videos befinden H. F.


30.09. Patrizia Schlosser ruft eine Person von Monis Rache an, und bittet dringend um ein Treffen. Daraufhin versucht die Person Leute, die sich bei der VV bereit erklärten hatten und in Berlin wohnen, zu kontaktieren und zum Treffen mit Patrizia einzuladen. Patrizia Schlosser und eine Person der Monis Crew
2019 Oktober 3.10. Das Treffen findet statt und Patrizia unterrichtet drei Personen der Moni Crew über die Tathandlungen von dem Nutzerprofil hfraenklin1 und die Recherchen von STRG-F. Mit den vorhandenen Informationen versuchen die Personen den Täter zu identifizieren. Patrizia Schlosser und 3. Personen der Monis Crew


23.10. Die dem Täter damals nahestehenden Personen werden von einer Person, die Patrizia Schlosser in Berlin getroffen hat, befragt ob ihnen der Username h.fraenklin1 bekannt ist. die Vermutungen, die seit dem 3.10. im Raum stehen werden bestätigt.

Ab jetzt wissen die Personen, die über die Tat (entweder durch Patrizia S oder den Täter) informiert wurden mit Sicherheit, dass H. F. der Täter ist. Der Informationsstand der Personen über den Umfang der Tat ist noch unterschiedlich.
Teile der EKG


Ca. 28.10. Täter übergibt die Zugangsdaten zu sämtlichen von ihm für die Veröffentlichung und den Verkauf genutzten Online-Accounts an die ihm damals nahestehenden Personen der EKG.

H. F. erklärt sich aufgrund von Forderungen der EKG bereit mit Patrizia Schlosser ein Interview zu führen.
H. F. und Teile der EKG


Mitte Oktober bis heute Täter führt
Gespräche mit Therapeut*Innen.
H.F.
2019 November 9.11. Ein Teil der EKG trifft sich nach der Vollversammlung der Monis Crew in Berlin. Die Personen haben weiterhin einen unterschiedlichen Informationsstand. Es ist nicht möglich einen gemeinsamen Wissensstand herzustellen. Teile der EKG


Ab 9.11. bis 20.11.:
Recherche zu Beratungsstellen und Mediatior*innen für einen weiteren Umgang.




14.11. Interview STRG-F mit Henning F. unter Begleitung von Teilen der EKG-Gruppe.

Personen der EKG, die dem Täter nahe standen waren anwesend, während er sämtliche veröffentlichte Videos und die vom Täter geführten Online-Accounts löscht.
Teile der EKG


20.11. Die EKG inklusive der Beziehungspartnerin des Täters trifft sich das erste mal  in Berlin und einigt sich auf ein Vorgehen nach dem Transformative Justice Konzept

Die EKG einigt sich darauf, dass die dem Täter nahe stehenden Personen die vermittelnde Kommunikation mit ihm übernehmen.

Einrichtung eines E-Mail Accounts zur weiteren Kommunikation mit Patrizia.
Verfassen einer Mail an Patrizia mit Frage nach zeitlichem Verlauf und Veröffentlichung der Reportage von STRG-F
6. Personen der EKG


22.11. Kontaktaufnahme zu verschiedenen Mediator*innen Teile der EKG


25.11. Antwortmail von Patrizia Schlosser mit Infos zur Reportage von STRG-F und Ankündigung ihrer Veröffentlichung „nicht vor Januar/Februar“

2019 Dezember Kontakt zum Mediator*innen-Kollektiv „Zwischenräume“ und Vereinbarung eines Termins am 27.12. Teile der EKG


27.12. Treffen der EKG mit dem Kollektiv „Zwischenräume“ >  Planung der Vollversammlung am 4.1.2020 EKG und Kollektiv Zwischenräume
2020 Januar 4.1. Vollversammlung Monis Crew > EKG stellt den bisherigen Kenntnisstand und die Informationen zur Tat vor ohne den Namen des Täters zu nennen VV Moni Crew (inkl. EKG)


7.1. Veröffentlichung der Reportage von STRG-F STRG-F


11.1. Vollversammlung Monis Crew ohne die Personen der EKG VV Moni Crew


Dieser Text wurde verfasst von: Julian, Vicky, Laurens, Tina und Paul und wird
mitgetragen von Joe (alle sind Personen aus der EKG).